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Freitag, 24. Mai 2019

Weiter Todesdrohungen gegen Aktivisten von Copinh in Honduras

Dienstag, 18. Juli 2017

Internationale Kommission kündigt Ermittlungen im Fall Agua Zarca in Honduras an

von Daniela Dreißig, in amerika21
Tegucigalpa. In einer Pressekonferenz hat die Unterstützermission gegen Korruption und Straflosigkeit in Honduras (MACCIH) am vergangenen Donnerstag angekündigt, dass sie zusammen mit der Sonderstaatsanwaltschaft für Ethnien die Unregelmäßigkeiten von staatlichen und unternehmerischen Strukturen im Fall des Wasserkraftwerkes Agua Zarca untersuchen würden. Sie werde gegen hohe Funktionäre des Staates und gegen die honduranische Firma Desarrollos Energéticos S.A. (Desa), die für den Bau von Agua Zarca verantwortlich ist, ermitteln. Es bestehe der Verdacht auf Betrug, Machtmissbrauch, Geldwäsche sowie der Bildung einer illegalen Vereinigung.
Der Sprecher der Unterstützermission gegen Korruption und Straflosigkeit in Honduras (MACCIH), Juan Jiménez (Bildmitte), kündigte Untersuchungen im Fall Agua Zarca an Quelle: Juan Manuel Herrera/OAS
Lizenz: CC by-nc-nd 2.0

Der Sprecher der Mission, Juan Jiménez, erklärte, dass Desa im Mai 2009 mit nur 25.000 Lempira (knapp 1.000 Euro) begann und das Gesellschaftskapital des Unternehmens im Februar 2014 bereits bei 381 Millionen Lempira, mehr als dem 15-fachen, angestiegen sei. Es sei wichtig zu ermitteln, ob dieses Kapital nicht mit Geldwäsche in Verbindung stehe. Wenige Monate nach der Firmengründung habe Desa den Zuschlag für den millionenschweren Energievertrag erworben. Auffällig sei, dass zwar ein gerichtliches Verfahren gegen den Ex-Vizeumweltminister Dario Cardona wegen der Erweiterung der Umweltlizenz laufe. Der damalige Umweltminister und aktuelle stellvertretende Generalstaatsanwalt, Rigoberto Cuellar, habe die ursprüngliche Umweltlizenz erteilt, ohne dass vorherige informative und freie Konsultationen mit der betroffenen indigenen Bevölkerung durchgeführt wurden, wie das Abkommen 169 der Internationalen Arbeitsorganisation vorschreibt. Jiménez zeigte sich überrascht, dass kein Verfahren auch gegen Cuellar eingeleitet wurde. Weiterhin sei die Erweiterung des Wasserkraftwerkes von 14,4 Megawatt auf 21,7 Megawatt nicht im Parlament abgestimmt worden.

Jiménez betonte, dass sie den Fall der im März 2016 ermordeten Menschenrechtsverteidigerin Berta Cáceres nicht untersuchen würden. Bisher wurden acht Personen, die mutmaßlich direkt an der Organisation und Ausführung des Mordes beteiligt waren, festgenommen und gegen sie ein gerichtliches Verfahren eingeleitet.

Die MACCIH ist eine internationale Organisation, die unter Schirmherrschaft der Organisation Amerikanischer Staaten vor einem Jahr ihre Arbeit aufnahm. Auf die massiven Proteste der honduranischen Bevölkerung 2015 musste die Regierung von Präsident Juan Orlando Hernández reagieren und eine internationale Kommission zur Untersuchung der Korruption einberufen. Die offensichtliche Veruntreuung von mehr als 350 Millionen US-Dollar aus dem Sozialversicherungsinstitut durch Funktionäre verschiedener Institutionen als auch der Regierungspartei hatte damals zu anhaltenden Protesten geführt. Die Kommission hat bisher kaum sichtbare Resultate gebracht. Die Mehrzahl der administrativen und gesetzgeberischen Vorschläge der MACCIH wurde von den obersten honduranischen Stellen ignoriert oder abgelehnt. Die deutsche Bundesregierung dürfte an durchgreifenden Resultaten dieser Kommission großes Interesse haben, da sie seit ihrer Gründung mitfinanziert. Erst im vergangenen Monat hat sie die Überweisung von 300.000 Euro an die MACCIH veranlasst.

Donnerstag, 13. Juli 2017

Vorführung des Films „La Voz del Gualcarque“ mit anschließender Diskussion

Im April 2013 begann der Widerstand der indigenen Lenca Gemeinden gegen das geplante Wasserkraftwerk “Agua Zarca”. Seit dem Putsch 2009 in Honduras sind zahllose private Projekte zur Gewinnung von erneuerbarer Energie aus dem Boden gestampft worden. Sie gehen einher mit Kriminalisierung der Proteste, Repression, Bedrohung, bis hin zu Mord; staatliche Sicherheitskräfte und private Akteure arbeiten zusammen, um die Projekte durchzusetzen.

Der Dokumentarfilm begleitet ein Jahr lang die Gemeinden, die sich gegen den Bau des Staudamms auf ihrem Territorium in Rio Blanco wehren, und mit vielfältigen Protesten versuchen, sich Recht zu verschaffen.

Realisierung: Ocote-Films / Honduras 2015 / 47 Minuten / span mit dt. UT
 
Zeit: Mittwoch, den 19. Juli 2017, 19:00 Uhr
Ort: ACUDkino, Veteranenstraße 21, 10119 Berlin
Eintritt: Eintritt frei, Spenden erbeten
Veranstalter: pbi Regionalgruppe Berlin

Freitag, 7. Juli 2017

Pressemitteilung OXFAM - Wasserkraftwerk Agua Zarca

Oxfam: Rückzug aus Agua Zarca ist überfälliger Schritt - jetzt müssen Siemens und Voith nachziehen

Die Banken FMO und Finnfund ziehen ihre Beteiligung an dem umstrittenen Wasserkraftwerk zurück.


Mittwoch, 14. Juni 2017

 

Filmpräsentation und Workshop zu Staudammprojekten in Honduras auf dem BUKO-Kongress auf dem Gelände des Fusion-Festival, Samstag, 24. Juni


Teil 1
Doku: Die Stimme des Gualcarque – Der indigene Widerstand gegen ein Wasserkraftwerk

Die indigene Aktivistin Berta Caceres wurde am 3. März 2016 wegen ihres Widerstands gegen das Wasserkraftwerk Agua Zarca in Honduras umgebracht. Video-Aktivist_innen begleiteten ein Jahr lang die Gemeinden, die sich gegen den Bau des Staudamms auf ihrem Territorium in Rio Blanco wehren. Mit internationaler Unterstützung kämpfen die indigenen Gemeinden für die Aufklärung des Mordes und einen Stopp des Staudammsprojekts. (In Anwesenheit der Filmemacher??).

Veranstaltet von HondurasDelegation und ocotefilms



Teil 2
Workshop: „Der Neokolonialismus sät Projekte des Todes in unsere Territorien“ (Berta Caceres)

Partizipative Talkshow zum Pro und Contra von Wasserkraftwerken in Ländern des globalen Südens

Wasserkraftwerke gelten als Alternative zu fossilen Energieträgern. Unmittelbar nach dem Putsch in Honduras 2009 wurden hunderte Staudammkonzessionen vergeben. Darauf entwickelten sich Widerstände im ganzen Land, denen meist mit Repression und Gewalt begegnet wird. Mit Schlaglichtern auf die regionalen Widerstandsbewegungen steigen wir ein in eine partizipative Talkshow über die Frage: „Hat das Projekt der Abwendung der Klimakatastrophe es nötig neoḱoloniale Methoden anzuwenden?“

Veranstaltet von HondurasDelegation und GegenStrömung



Samstag, 10. Dezember 2016

Rio Blanco: Ein Dorf stellt sich quer gegen grünen Kolonialismus.


Nach längerem Geschaukel durch eine atemberaubende Gebirgslandschaft erreicht unser Delegations-"Busito" das Örtchen Rio Blanco, das wegen seines Widerstands gegen das Staudammprojekt Agua Zarca über die Grenzen von Honduras hinaus bekannt geworden ist. Seit dem Jahr 2013 verteidigen die hier ansässigen Lenca-Indigenen ihr Gemeinde-Territorium gegen die Betreiberfirma Desarrollo Energéticos S.A. (DESA), wobei sie von der Organisation COPINH unterstützt werden.


Freitag, 12. August 2016

Veranstaltung in Düsseldorf - ¡Berta Vive!/Berta lebt! – Gedenken an Berta Cáceres

Donnerstag, 1.9.2016, 19.30 Uhr, 
Film „La Voz del Gualcarque/Die Stimme von Gualcarque” (Spanisch mit deutschen Untertiteln), 
Diskussion mit der Regisseurin Paola Reyes, Gedenken und Protest  
Buchhandlung BiBaBuZe, Aachener Str.1, Düsseldorf

Die indigene, anti-kapitalistischen Umweltaktivistin und Feministin Berta Cáceres aus Honduras wurde in der Nacht vom 2. auf den 3. März 2016 von Auftragskillern ermordet. Berta hat uns 2012 in Düsseldorf besucht und von ihrem Kampf berichtet. Daher wollen wir, die Veranstalter von damals, ein halbes Jahr nach diesem politischen Mord, an Berta erinnern, über ihre Anliegen informieren und ihre Organisation COPINH (Rat indigener und sozialer Organisationen Honduras) in ihrem Kampf unterstützen.

Donnerstag, 23. Juni 2016

Berta Cáceres stand auf der Todesliste des honduranischen Militärs, sagt ein früherer Soldat


Verfasst von Nina Lakhan, veröffentlicht am 21.06.2016 TheGuardian y ElDiario

Eine vom US Spezialkräften trainierte Einheit war mit dem Mord an der Umweltaktivistin, die im März umgebracht wurde, beauftragt, so ein ehemaliger Soldat, der nun um sein Leben fürchtet
Berta Cáceres, Mitbegründerin von COPINH © Goldman Environmental Prize
Berta Cáceres, die ermordete Umweltaktivistin, erschien auf einer Todesliste, die an eine von US-Spezialkräften trainierte Einheit des honduranischen Militärs verteilt wurde; Monate vor ihrem Tod, behauptet ein ehemaliger Soldat.

Nach Oberfeldwebel Rodrigo Cruz, 20, wurden Listen mit Namen und Fotos Dutzender von Aktivist*innen sozialer und Umweltbewegungen, an zwei Eliteeinheiten gegeben mit dem Befehl jeden von der Liste zu eliminieren.

Montag, 9. Mai 2016

Pressemitteilung: Halbherziger Rückzug aus einem tödlichen Projekt

Die Mitverantwortung deutscher Unternehmen am Tod der honduranischen Menschenrechtsverteidigerin Berta Cáceres wird immer offensichtlicher - Voith und Siemens versuchen weiter, sich aus der Verantwortung zu ziehen


Freitag, 6. Mai 2016

Video: Protest gegen Siemens-Voith Hydro wegen illegalem und mörderischen Staudammprojekt in Honduras


 

José Asunción Martínez vom COPINH-Koordinationsrat und Francisco Sánchez, Präsident des Indigenen Rates von Rio Blanco übergeben fast 200.000 Protestunterschriften in der Siemens-Hauptzentrale in München

Dienstag, 19. April 2016

Angriff auf internationales Treffen von Aktivisten in Honduras

von Daniela Dreißig  erschienen in amerika21





Tegucigalpa. In Honduras sind am Freitag Teilnehmende eines Internationalen Solidaritätstreffens von Unbekannten angegriffen worden. Mehrere Männer hätten die sie mit Steinen, Stöcken und Macheten attackiert. Mindestens sieben Menschen erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Bei dem Treffen ging es um die Entwicklung von Strategien sozialer Bewegungen nach dem international beachteten Mord an der Menschenrechts- und Umweltaktivistin Berta Cáceres.

Die Übergriffe ereigneten sich an den Ufern des Flusses Gualcarque, in der Nähe des Baugeländes des Wasserkraftwerkes Agua Zarca in der Gemeinde San Francisco de Ojuera, Santa Barbara. Unter den Angreifern konnten Männer identifiziert werden, die Cáceres und Angehörige des Zivilen Rates der indigenen und Volksorganisationen Honduras (COPINH) wiederholt mit dem Tode bedroht hatten. Einige von ihnen wurden als Personen identifiziert, "die in den Diensten der Betreiberfirma Desarrollos Energéticos S.A. (DESA) stehen", hieß es von Aktivistenseite. Sie riefen namentlich dazu auf, Tomás Gómez Membreño und Sotero Chavarría, beides Mitglieder der COPINH-Leitung, zu attackieren. In der Vergangenheit wurden Gómez Membreño und Charvarría mehrfach mit dem Tode bedroht, auf Chavarría wurde im Jahr 2012 bereits ein Anschlag verübt.

Freitag, 8. April 2016

Spenden für Teilnahme an Internationalem Treffen in Honduras


Nach dem Mord an Berta Caceres – Hondurasdelegation will am Internationalem Vernetzungstreffen in Honduras teilnehmen!

Am 2. März wurde Berta Cáceres in ihrem Haus in Honduras umgebracht. Sie war Mitgründerin und Koordinatorin der indigenen Lenca-Organisation COPINH (Ziviler Rat der indigenen und Volksorganisationen von Honduras) und eine der wichtigsten und bekanntesten Umwelt- und Menschenrechtsaktivist*innen Lateinamerikas.

Die Hondurasdelegation will mit zwei Delegierten an diesem Treffen teilnehmen. Internationale Solidarität und Präsenz sind in diesem Moment besonders wichtig, um weiterhin Druck auf die honduranischen Institutionen auszuüben und um eine Aufklärung des Mordes sowie den Abbruch des Staudammprojekts Agua Zarca zu verlangen. Zudem sind Mitglieder des COPINH weiterhin akut bedroht. Durch internationale Aufmerksamkeit und die Präsenz von Menschenrechtsbeobachter*innen vor Ort kann dazu beigetragen werden, weitere Verbrechen zu verhindern.

Unterstützt uns, an diesem Treffen teilnehmen zu können und dabei internationale Solidarität und Unterstützung für Menschenrechtsverteidiger*innen in Honduras zu zeigen!

Hier spenden...

Donnerstag, 25. Februar 2016

Konflikt um Staudammprojekt in Honduras hält an

Friedlicher Protesmarsch gewaltsam gestoppt. Betreiberfirma führt PR-Kampagne durch und verschickt international E-Mails, auch an Amerika21


San Francisco de Ojuera, Honduras. Ein Protest von Gegnern des Staudammprojektes Agua Zarca ist durch Angestellte der Betreibergesellschaft Desarrollo Energético S.A. (Desa), des Bürgermeisteramtes und Anhänger der Nationalen Partei gestoppt worden. Dies berichtet der Rat indigener und Volksorganisationen von Honduras (Copinh). An die 100 Staudammgegner seien von Polizei, Militär und privaten Sicherheitsleuten festgehalten und bedroht, ihre Busse durch bewaffnete Kräfte beschädigt worden. Die etwa 250 Staudammgegner wollten am vergangenen Samstag einen friedlichen Protestmarsch von San Francisco de Ojuera zum Baugelände des Wasserkraftwerkes durchführen.

Seit Juli 2015 hatte Desa die Bauarbeiten an Agua Zarca am Fluss Gualcarque schnell vorangetrieben. Gleichzeitig startete das Unternehmen eine PR-Kampagne zugunsten des Projektes und gegen Copinh, die vom Rat als diffamierend gegen sich und andere Staudammgegner bezeichnet wird. Wie bekannt wurde, wird diese Kampagne aus Geldern der holländischen Entwicklungsbank (FMO) finanziert und von der Beraterfirma "Monkey Forest Consulting" gesteuert.

Amerika21 hat in der Vergangenheit mehrfach über das Staudammprojekt und den Widerstand dagegen berichtet. Vor wenigen Tagen erreichten die Redaktion zwei E-Mails der Betreiberfirma, in denen Copinh vorgeworfen wird, in Begleitung von europäischen Umweltschützern am vergangenen Samstag "Gewaltakte" verübt zu haben. Beide würden darüber hinaus "in den Medien, zu denen sie Zugang haben, manipulativ informieren, indem sie nur Falschinformationen über die Realität im Zusammenhang mit der Entwicklung des Projekts verbreiten", heißt es in einer angehängten Stellungnahme. Im zweiten Schreiben wird Copinh erneut des "Vandalismus" beschuldigt und Bewohner der Gemeinde San Ramon zitiert, die sich gegen Copinh aussprechen und versichern, dass sie den Bau des Staudamms befürworten.

Agua Zarca wird unter anderem durch die FMO und den zu 93 Prozent staatlichen finnischen Finnfund (Finnish Fund for Industrial Cooperation Ltd.) finanziert. Die deutschen Unternehmen Siemens und Voith Hydro liefern die Turbinen.

Die gesamte Region ist seit Baubeginn im Jahr 2012 sukzessive militarisiert worden. Militär, Polizei und die private Sicherheitsfirma von Desa arbeiten eng zusammen. Bisher hat der Konflikt vier Staudammgegner das Leben gekostet. Im Dezember 2015 wurde der Offizier Kevin Saravia wegen Mordes an dem Staudammgegner Tomás García verurteilt. Die internationalen Menschenrechtsbeobachter, die die Proteste von Copinh begleiten und dokumentieren, sahen sich immer wieder im Fadenkreuz von Desa und dessen Sicherheitsfirma. "Desa-Agua Zarca hat namentlich bekannte Kriminelle, die unter anderem für Morde verantwortlich gemacht werden, als paramilitärisches Sicherheitspersonal unter Vertrag. Diese haben Führungspersonen der Gemeinden und Mitglieder von Copinh konstant bedroht und sind weiterhin bewaffnet", berichtet Copinh. Eine Strategie der Betreiber sei die Spaltung der Gemeinden und die Schaffung sozialen Unfriedens. Den Berichten nach erhalten einige Bewohner täglich 200 Lempira (rund acht Euro) und sind mit Macheten bewaffnet zur Stelle, wenn wieder zu einem friedlichen Protest gegen Agua Zarca aufgerufen wird.

Die Gegner des Wasserkraftwerkes argumentieren, dass mit dem Bau fundamentale Rechte der indigenen Bevölkerung verletzt werden. So auch die Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation, da keine vorherige, freie und informierte Konsultation durchgeführt wurde. Auch habe die Lenca-Gemeinde, in deren Besitz sich die kollektiven Landtitel der betroffenen Region befinden, keine Zustimmung zum Bau erteilt. Außerdem werde das Recht auf Wasser verletzt, denn schon jetzt verbietet Desa den Zugang zum Fluss.
Bertha Cáceres, die Koordinatorin von Copinh kündigte mit Blick auf die Ereignisse vom 20. Februar an, dass sie sich "auch das Recht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit nicht nehmen lassen." Caceres ist eine der Preisträgerinnen des Goldman-Umweltpreises 2015. Sie wurde für ihr Engagement für die Rechte der Lenca-Indigenen und gegen umweltschädliche Megaprojekte in Honduras ausgezeichnet.

Montag, 22. Februar 2016

Konflikt um das Wasserkraftwerk „Agua Zarca“ droht erneut zu eskalieren


COPINH ruft nationale und internationale Solidarität zu Hilfe 

SAN FRANCISCO DE OJUERA (COPINH, C-LIBRE, oekubuero). Eine friedliche Demonstration von etwa 100 lokalen Gegner_innen des Staudammprojektes „Agua Zarca“ aus den umliegenden Gemeinden wurde am Samstag, 20. Februar durch Angestellte der Betreibergesellschaft DESA, das Bürgermeisteramt von San Francisco de Ojuera und Parteigänger_innen der Nationalen Partei gestoppt. Die Teilnehmenden wurden, so eine Eilmeldung des Rates indigener und Volksorganisationen von Honduras (COPINH) festgehalten und von Polizeieinsatzkräften, Militärs, privaten Sicherheitsleuten und Auftragskillern bedroht. COPINH kündigte an, man werde sich das Recht auf freie Meinungsäußerung und Demonstrationsfreiheit nicht nehmen lassen, 200 weitere Gegner_innen des Projektes seien auf dem Weg. Das Wasserkraftwerk „Agua Zarca“ wird mit Unterstützung der holländischen Entwicklungsbank FMO, und des zu 93% staatlichen Finnfunds gebaut. Die Turbinen sollen vom SIEMENS-Joint-Venture VOITH HYDRO kommen. Seit dem neuerlichen Baubeginn Mitte 2015 ist eine massive PR-Kampagne zugunsten des Projektes angelaufen, die offensichtlich mit FMO-Geldern von der „Monkey Forest Consulting“ gesteuert wird. Gleichzeitig wird die Spaltung der betroffenen Gemeinden (u.a. mit Geldern der US-Entwicklungsagentur USAID) und die Repression gegen die verbleibenden Staudammgegner_innen vorangetrieben.

Am 20. Februar 2016 gab COPINH die folgende Eilmeldung heraus (Arbeitsübersetzung des Ökubüros)

Desarollos Energéticos S.A. (DESA) treibt das Wasserkraftwerk “Agua Zarca” weiter voran - ein illegales und illegitimes Projekt, das die Lebens- und die territorialen Rechte indigener Lenca-Gemeinden verletzt.

Die honduranische Regierung unterstützt den zweiten Versuch des Unternehmens Desarollos Energéticos S.A. (DESA) das Wasserkraftwerk “Agua Zarca” am Gualcarque-Fluss zu bauen. Indem sie dies zulässt, macht sie sich zum Komplizen der Menschenrechtsverletzungen gegen die Lenca-Gemeinden der Region Río Blanco und des Nordens der Provinz Intibucá. Der Rio Gualcarque ist Lebensader, Natur- und Kulturerbe der Lenca und unerlässlich für ihr wirtschaftliches und spirituelles Überleben.

Der neuerliche Versuch, das Wasserkraftwerk “Agua Zarca” zu bauen, basiert auf der gleichen illegalen Konzession, die ohne Rücksicht auf die Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und die Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte der indigenen Völker vergeben wurde. Sie verletzt das Recht auf vorherige, freie und informierte Konsultation und Zustimmung der Lenca-Gemeinden und ist daher von Beginn an illegitim und illegal.

Wir verurteilen das Vorgehen Derjenigen, die mit diesem Todesprojekt erneut die historischen, kollektiven und individuellen Rechte der Lenca-Bevölkerung verletzen. Im einzelnen sind dies:

Die niederländische Entwicklungsbank, FMO mit 15 Millionen US-Dollar, die finnische Entwicklungsbank Finnish Fund for Industrial Cooperation Ltd. FINNFUND mit 5 Millionen US-Dollar, die Zentralamerikanische BCIE (Banco Centroamericano de Integración Económica) mit 24,4 Millionen US-Dollar, das Siemens Joint-Venture Voith Hydro aus Deutschland, die Firma CASTOR (CASTILLO TORRES) CONSTRUCTORA CERROS DE COMAYAGUA, die FICOHSA-Bank und die Unternehmerfamilie Atala aus Honduras, die US-Regierung über das USAID-Projekt MERCADO und das honduranische Umweltministerium SERNA. Letzteres ist weiterhin Unternehmen wie der DESA zu Diensten und hat COPINH Informationen über mehr als 40 Wasserkraftwerke (inklusive Agua Zarca) verweigert, die die Rechte von Lenca-Gemeinden betreffen.

Wir erinnern daran, dass das honduranische Parlament 2010 illegitimerweise dutzende von Konzessionen für Flussabschnitte in ganz Honduras vergeben hat, was im Resultat einer völligen Privatisierung der Natur und der Gemeingüter gleichkommt. Die Konzession für den Rio Gualcarque wurde auf 20 Jahre an die DESA vergeben und wir haben seither wieder und wieder auf unterschiedliche Weise darauf aufmerksam gemacht, dass wir dies für einen illegitimen und barbarischen Akt halten. Seither wurden im Zuge der Durchsetzung des Projektes nationale Gesetze und internationale Rechtsstandards verletzt; man ging soweit, Unterschriften zu fälschen und zu repressiven Mitteln bis hin zur Ermordung mehrerer Mitglieder von COPINH zu greifen, die sich vor Ort gegen das Projekt stellten.

Wie bereits im Jahr 2013 ist das Projekt “Agua Zarca” auch heute mit Hilfe militärischer und paramilitärischer Strukturen durchgesetzt. Letztere tarnen sich als Sicherheitsdienste und stehen der staatlichen Polizei zur Verfügung. Erstere gehören zur so genannten “Operation Freiheit” die von Tegucigalpa aus befehligt wird und für die öffentliche Gelder, Logistik, Kommunikationsmittel, reguläre Polizeikräfte, aber auch Militärpolizei zur Verfügung gestellt wurden. Zum Einsatz kam auch die militärische Spezialeinheit TIGRES, die von den USA mittrainiert und mitfinanziert wird. Zur Verstärkung haben mittlerweile die DESA und der Bürgermeister der Gemeinde San Francisco de Ojuera, Raúl Pineda (Nationale Partei) 50 Parteianhänger angeheuert und bewaffnet, denen 200 Lempira (knapp 8 Euro) täglich und Essen gezahlt werden.

DESA-Agua Zarca hat namentlich bekannte Kriminelle, die u.a. für Morde verantwortlich gemacht werden, als paramilitärisches Sicherheitspersonal unter Vertrag. Diese haben Führungspersonen der Gemeinden und Mitglieder von COPINH konstant bedroht und sind weiterhin bewaffnet.

Am 28. Dezember 2015 wurde ein Mitglied dieser paramilitärischen Sicherheitskräfte, Bernardo Pérez, wegen illegalen Tragens von Waffen festgenommen. Obwohl er bereits ein einschlägiges Vorstrafenregister aufweist und des Mordes angeklagt war, wurde Pérez von den Justizbehörden des Departements jedoch umgehend wieder auf freien Fuß gesetzt. Er konnte sich offenbar sicher sein, dass er vom Einfluss und Geld der DESA und ihres Sicherheitschefs Jorge Ávila geschützt wurde.

DESA hat bereits erhebliche Waldflächen gerodet und ist nun dabei, den natürlichen Lauf des Rio Gualcarque, der den Lenca heilig ist, zu zerstören. Das Wasserkraftwerk “Agua Zarca” vernichtet einmalige Ökosysteme, ihre Biodiversität, ihren Tierreichtum, ihre Flora, zu der auch als medizinische Nutzpflanzen zählen und obendrein landwirtschaftliche Nutzflächen für die kleinbäuerliche Subsistenzwirtschaft.

DESA argumentiert zwar, dass man das Projekt neu gestaltet habe, das ändert aber nichts daran, dass das Wasser des gleichen Flusses verwendet wird und dass dieser Fluss auf dem Territorium der Lenca-Gemeinden liegt, mit denen wir seit Jahren gegen die Privatisierung ihrer Gemeingüter kämpfen.

Angestellte und ehemalige Angestellte der DESA und des Unternehmens BLUE ENERGY haben sich inzwischen auch den benachbarten Cangel-Fluss unter den Nagel gerissen und setzen dort ihr Zerstörungswerk fort. Der Rio Cangel ist für die Ökologie und Kultur der Region ebenso bedeutsam wie der Rio Gualcarque. Beide Flüsse entspringen im Gebirgszug von Puca Opalaca. Am 7. November 2015 begleiteten Mitglieder von COPINH die Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen für die Rechte indigener Völker, Victoria Tauli-Corpuz und ihre internationale Delegation in die Region, als sie von eben diesen Leuten respektlos behandelt und bedroht wurden. Sogar die UN-Sonderberichterstatterin wurde für einige Minuten aufgehalten.

So wie 2013 das Bürgermeisteramt von Intibucá für DESA-Agua Zarca den Strohmann spielte, so ist es nun das Bürgermeisteramt von San Francisco de Ojuera. Bürgermeister Raúl Pineda und sein Team hatten die Gemeinde Rio Blanco besucht, sie waren respektvoll und höflich empfangen worde und es war ihnen klargemacht worden, dass die Lenca-Bevölkerung die Zerstörung des Rio Gualcarque, seiner Funktionen und seines Ökosystems ablehnt. Als wir indigenen Vertreter_innen jedoch am 30. November 2015 unsererseits nach San Francisco de Ojuera fahren wollten, um das dortige Bürgermeisteramt zu besuchen, wurden wir von Angestellten und angeheuerten Parteigängern der Nationalen Partei mit Drohungen, Macheten, Waffen, Beschuldigungen, und rassistischen Beschimpfungen empfangen, die sich gegen die weiblichen Mitglieder von COPINH zu Hassausbrüchen steigerten, Hass gegen ihre Führungsstärke als aufmüpfige indigene Frauen. Ans Lächerliche grenzte eine Aktion, die versuchte mit Baumaschinen von DESA einen Graben durch die öffentliche Hauptstrasse zu ziehen, um die Busse mit denen wir unterwegs waren, am Weiterfahren zu hindern.

Das Leben, die physische und emotionale Gesundheit der Bevölkerung von Rio Blanco, die sich gegen den Staudamm wehrt, ist permanent bedroht. Gleiches gilt inzwischen für die nationale und internationale Solidarität, für Menschenrechtsbeobacher_innen und Journalist_innen.

Wir prangern an, dass die DESA weitere zerstörerische Projekte plant: am Rio Blanco, einem Zufluss des Gualcarque und mit einem Komplex von Staudämmen am Rio Guinse. Davon betroffen sind die Bezirke San Francisco de Opalaca, Intibucá und Santa Bárbara.

Wir weisen die Schmutzkampagne, die auf zynische Weise den historischen Kampf von COPINH zu diffamieren versucht und unsere Glaubwürdigkeit in Frage stellt, ebenso entschieden zurück wie die Kriminalisierung unserer Organisation. Diese von der DESA als Betreiberfirma von “Agua Zarca” entfesselte Kampagne, ist nichts anderes als ein Instrument die Gemeinden mit Geschenken zu erniedrigen und sie dann wie Trophäen auszustellen. Was den Gemeinden damit genommen wird, ist die Selbstbestimmung für ihre wirkliche Entwicklung und eine würdige und lebenswerte Zukunft. Es ist kein Wunder, dass dies mit Unterstützung der staatlichen US-Entwicklungsagentur US-AID im Rahmen ihres Programmes MERCADO geschieht, einer Projektionsfläche für den schönen Schein von “Entwicklung, Arbeitsplätzen, saubere Energie und sozialer Verantwortung”.

Die DESA handelt indes mit militaristischer und geheimdienstlicher Logik und wendet Strategien an, die versuchen, den Willen der Lenca-Bevölkerung zu brechen: Sie spaltet die Gemeinden und terrorisiert sie mit verschiedensten Repressalien. Zugleich versucht sie der Öffentlichkeit in Honduras und im Ausland weiszumachen, dass es da um einen “Streit” zwischen Armen gehe. Sie leugnet die Existenz und das Recht der Lenca und die Bedeutung der Organisation COPINH, wenn es denn sein muss gerne auch in “wohlgesetzten” und “respektvollen” Worten, orchestriert von Consulting Teams, die es verstehen, Kampagnen zur Manipulation der Medien zu entwerfen und das Image der DESA zu verbessern, so dass ihr Ziel von Millionen-Gewinnen in Reichweite rücken kann.

COPINH beharrt auf seiner Berechtigung als Lenca-Organisation, die auf Dekolonisierung setzt, auf gerechten Frieden und auf das Engagement gegen Privatisierung und Ausbeutung. COPINH beharrt auf dem Erbe von Lempira, auf Würde und Rebellion und Taten zugunsten von Emanzipation, Selbstbestimmung und Souveränität der indigenen Völker.

COPINH ruft zu landesweiter und internationaler Solidarität auf, zu Aktionen, die dazu beitragen, die Aggression der Unternehmen zu beenden. Stoppt die Aneignung der Gemeingüter, der Natur und die systematische Verletzung der Rechte der Lenca!

Freitag, 29. Januar 2016

NGOs: Siemens verstößt gegen Leitlinien der UNO

Von Vilma Guzman amerika21.de
Deutscher Konzern an umstrittenen Staudammprojekten in Brasilien und Honduras beteiligt. Kooperation mit "zwielichtigen Minen" in Peru und Kolumbien

München. Bei der Hauptversammlung der Siemens AG am Dienstag in München hat ein Bündnis von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) ein sofortiges Umsteuern des Technologiekonzerns in Menschenrechts- und Umweltfragen gefordert. Sie werfen Siemens vor allem die Beteiligung an Zuliefer-Unternehmen für Großstaudämme und die Abnahme von Rohstoffen aus zweifelhafter Produktion vor. Dabei geht es auch um mehrere Projekte in Lateinamerika.
Niederlassung des Siemens-Konzerns in der Martinstraße in München

Dem Bündnis gehören der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre, GegenStrömung, Pro Regenwald und Ökumenisches Büro für Frieden und Gerechtigkeit an.

Im Zentrum der Kritik steht eine Siemens-Beteiligung am Wasserkraftturbinen-Hersteller Voith Hydro. Siemens verstoße damit gegen die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, gegen die Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), die Empfehlungen der Weltstaudamm-Kommission und gegen die eigenen Corporate Governance-Richtlinien.

Voith Hydro liefert unter anderem an "katastrophale Projekte" wie Belo Monte, Jirau, Santo Antonio und Teles Pires in Brasilien, die wegen ihrer Folgen für die dort lebenden Menschen und die Umwelt äußerst umstritten sind. Brisant sei auch das Projekt "Agua Zarca" in Honduras, aus dem sich der Weltbank-Ableger Camif und der chinesische Staudammbauer Sinohydro nach der Ermordung eines indigenen Gemeindeführers und den erbitterten Protesten der lokalen Bevölkerung 2013 zurückgezogen hätten. "Dort kursiert seit Oktober 2015 eine Todesliste lokaler Auftragskiller mit den Namen von über 20 Staudammgegnern", berichtete Andrea Lammers, Honduras-Referentin des Ökumenischen Büros in München.

Die Praktiken der Betreibergesellschaft Desarrollos Energéticos S.A. (Desa), des honduranischen Partners von Voith Hydro, seien mittlerweile auch bei europäischen Botschaften in Honduras und im deutschen Außenministerium aktenkundig geworden, berichteten die NGOs. Am 2. Dezember 2015 sei ein Menschenrechtsbeobachter aus Spanien vom Sicherheitschef der Desa fotografiert und wenig später von zwei Männern mit dem Tod bedroht worden: "Sie guckten auf ihr Handy, sprachen mich als Spanier an und sagten, wenn ich jetzt nicht das Land verließe, dann müsse ich für immer bleiben. Dabei zeigten sie mir eine Waffe", berichtete der Menschenrechtsbeobachters Luis Diaz de Teran.

Zudem verarbeite Siemens Wolfram aus zwielichtigen kolumbianischen Minen. "Es ist der Unwillen von Siemens, sich endlich der Verantwortung für die Sorgfaltspflicht entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu stellen", kritisierte Christian Russau von den Kritischen Aktionären. Nicht weniger skandalös sei die Siemens-Lieferung eines Förderbandsystems an Glencores Kupfermine Tintaya Antapaccay in Peru. Im Rahmen einer staatlichen Untersuchung entnommene Blut- und Urinproben der Anwohner der Minen hätten erhöhte Schwermetallkonzentrationen von Blei und Quecksilber aufgewiesen. Siemens lieferte der Grupo México auch zwei 250-MW-Gasturbinen. Die Grupo México ist eine Firma, die der bekannte mexikanische Bischof Raúl Vera unlängst öffentlich als "Serienmörder" bezeichnete, da sie die größte Umweltkatastrophe in Mexiko beim Dammbruch der Kupfermine Buenavista im Bundesstaat Sonora verursacht hat, so Russau.

Dienstag, 12. Januar 2016

La Voz de Gualcarque - Dokumentarfilm

Dokumentarfilm im Globale Filmfestival (28.01.-31.01.2016)
Honduras 2015 / 46 Minuten / span mit dt. UT
Am 28.01.2016 um 16.00 Uhr
im Moviemento Kino, Kottbusser Damm 22, 10967 Berlin

Im Anschluss Gespräch mit den Filmemacher*innen von Ocote-Films - Mitglieder des Kollektivs CADEHO
Im April 2013 begann der Widerstand der indigenen Lenca Gemeinden gegen das geplante Wasserkraftwerk “Agua Zarca”. Seit dem Putsch 2009 in Honduras sind zahllose private Projekte zur Gewinnung von erneuerbarer Energie aus dem Boden gestampft worden. Sie gehen einher mit Kriminalisierung der Proteste, Repression, Bedrohung, bis hin zu Mord; staatliche Sicherheitskräfte und private Akteure arbeiten zusammen, um die Projekte durchzusetzen.

Der Dokumentarfilm begleitet ein Jahr lang die Gemeinden, die sich gegen den Bau des Staudamms auf ihrem Territorium in Rio Blanco wehren, und mit vielfältigen Protesten versuchen, sich Recht zu verschaffen: Durch die Blockierung einer wichtigen Zufahrtsstraße, Demonstrationen, Beschwerden auf nationaler und internationaler Ebene, um die verantwortlichen Konzerne und finanzierenden Banken auf die Situation aufmerksam zu machen. Zwar konnten damit der Bau um mehr als ein Jahr verzögert werden und auch die chinesische Baufirma SINOHYDRO zog sich aus dem Projekt zurück, die Repression geht aber weiter. Gemeindemitglieder werden bedroht und kriminalisiert, die Region wurde militarisiert; im Juli 2013 wurde der Lenca-Indigene Tomas Garcia während einer friedlichen Demonstration von einem Militärangehörigen getötet.

Im Juli 2015 wurden die Bauarbeiten wieder aufgenommen, doch der Widerstand der Gemeinde geht weiter, trotz ständiger Bedrohung.

Normalerweise haben Wasserkraftprojekte ein gutes Image, für die indigenen und bäuerlichen Gemeinden, die in den Projektregionen leben, sind die Auswirkungen aber nicht selten gravierend. In Honduras und anderen Ländern des Globalen Südens werden im Namen von „grüner“ und „sauberer“ Energie Projekte autoritär und gewalttätig durchgesetzt, die vorherige, freie und informierte Konsultation wird nicht garantiert. Die Gemeinden werden in ihrer territorialen Autonomie bedroht und ihre Lebensgrundlagen zerstört.

Weitere Informationen: www.globale-filmfestival.org

Samstag, 2. Januar 2016

Indigene Rechte unter Beschuss


von Daniela Dreißig erschienen in Lateinamerika Nachrichten 499 // Januar 2016

DAS STAUDAMMPROJEKT AGUA ZARCA BEDROHT DIE LEBENSGRUNDLAGE DER LENCA

Seit fünf Jahren kämpfen die indigenen Lenca in der Region Rio Blanco gegen die Stauung des Flusses Gualcarque. Dabei sind sie massiver Gewalt durch Polizei, Militär und private Sicherheitsfirmen ausgesetzt. Trotz mehrfacher Rügen vom Genfer Menschenrechtsrat werden indigene Rechte in Honduras immer noch missachtet und Menschenrechtsverletzungen nicht geahndet.

„Die grundlegenden Probleme, mit denen sich die indigenen Völker konfrontiert sehen, sind die fehlende volle Anerkennung sowie der Schutz und die Nutzung ihrer Rechte in Bezug auf Boden, Territorien und ihre natürlichen Ressourcen“,  erklärte die UN-Sonderberichterstatterin für indigene Völker Victoria Tauli-Corpuz  auf einer Pressekonferenz in Honduras. Die Menschenrechte in Honduras wurden dieses Jahr zum zweiten Mal vor dem Menschenrechtsrat in Genf überprüft (siehe LN 489). Im Vergleich zu 2010 hat sich die Menschenrechtslage noch weiter verschlechtert. Bei der Anhörung im Mai 2015 wurden 159 Empfehlungen ausgesprochen, 2010 waren es noch 129, auf die der honduranische Staat mit einigen kosmetischen Maßnahmen reagierte, ohne dabei tiefgreifende Ursachen anzugehen. Tauli-Corpuz besuchte die Region Rio Blanco und besichtigte das Baugelände des Staudamms Agua Zarca, der unrechtmäßig auf dem Siedlungsgebiet der Lenca, der größten indigenen Gruppe in Honduras, errichtet wird.

Die Mehrheit der Bevölkerung in Rio Blanco sind Lenca, sie leben von der Subsistenzwirtschaft. Die Region ist von extremer Armut geprägt, dazu ist die indigene Bevölkerung einem tief verankerten Rassismus durch die mestizische Mehrheitsgesellschaft ausgesetzt. Bisher war Rio Blanco für die politischen und wirtschaftlichen Eliten Honduras nur alle vier Jahre zu den Präsidentschaftswahlen interessant. Dies änderte sich jedoch, als die Folgeregierung nach dem Putsch 2009 die Weichen für einen umfassenden Ausverkauf aller natürlichen Ressourcen stellte. Die großen Wasservorkommen und reichen Bodenschätze der Region locken honduranische und transnationale Investor*innen an. Nun soll der Fluss Gualcarque unter Anwendung massiver Gewalt und gegen den Willen der Bevölkerung gestaut werden.

Militär- und Polizeipräsenz in Rio Blanco Foto: COPINH
Die Lenca, die rechtmäßig im Besitz der Landtitel sind, protestieren gegen dieses Projekt und haben bis heute ihre Zustimmung nicht erteilt. Es wurden keine vorherigen Konsultationen durchgeführt, wie es die Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation zum Schutze der indigenen Rechte vorsieht, die durch den honduranischen Staat ratifiziert wurde. Stattdessen tauchten Listen mit gefälschten Unterschriften auf, Unterschriften von Anwohner*innen, die weder schreiben noch lesen können und die aussagten, nie ihr Einverständnis gegeben zu haben. Aktuell wird versucht die Konvention 169 durch das in den Nationalen Kongress eingebrachte Indigenengesetz aufzuweichen, an dessen Erarbeitung die Interamerikanische Entwicklungsbank (BID) maßgeblich beteiligt ist. Kollektive Landtitel und die Definition indigener Territorien sind demnach Entwicklungshemmnisse und stehen der neoliberalen Logik entgegen.
Durch den Baubeginn des Staudamms in Rio Blanco 2012 wurden landwirtschaftliche Anbauflächen und angrenzende Wälder zerstört. Dazu kommt, dass das Sicherheitspersonal der Firma Desarrollo Energéticos S.A. (DESA), Polizei und Militär den Menschen den Zugang zum Fluss verwehrt. Für die betroffenen Gemeinden Anlass genug mit Hilfe des Zivilen Rates der Volks- und indigenen Organisationen Honduras (COPINH) zivilen Ungehorsam zu leisten.

Tomás García im Juli 2013 durch Militärs ermordet Foto: CADEHO
Doch die friedliche Demonstration vor dem DESA-Baugelände im Juli 2013 fand mit der Ermordung von Tomás García und den schweren Schussverletzungen seines Sohnes Alan ein jähes Ende. Die Schüsse wurden durch den Unteroffizier Kevin Saravia abgefeuert, der sich durch die unbewaffneten Staudammgegner*innen angeblich bedroht fühlte. Weitere Gewalt entlud sich im November 2013 als eine mit Schnellfeuerwaffen ausgerüstete und maskierte Einheit der Nationalen Polizei die Gemeinde La Tejera überfiel. „Sie gaben zu verstehen, dass sie ein Blutbad anrichten würden, wenn wir uns nicht aus den Angelegenheiten des Staudamms raus halten würden“ erklärten zwei Bewohnerinnen der Gemeinde. Auffällig daran ist die verblüffend effektive Zusammenarbeit von Polizei, Militär und privaten Unternehmen. Auf dem Baugelände von DESA sind neben den eigenen Sicherheitsleuten auch staatliche bewaffnete Einheiten stationiert; Mitglieder einer Militäreinheit aus dem benachbarten Department Siguatepeque und Mitglieder der TIGRES, einer Militärpolizei, die mit Geheimdienstaufgaben betraut ist und als Maßnahme im Kampf gegen die organisierte Kriminalität geschaffen wurde.

Im November 2015 kam er zur ersten Gerichtsverhandlung im Falle des ermordeten Tomás García. Der angeklagte Militärangehörige wurde nach kurzer Zeit lachend aus dem Gerichtgebäude abgeführt. Die Verhandlungen waren durch eine hohe Militärpräsenz, Einschüchterungen und Bedrohungen der anwesenden Lenca, des Anwaltes Victor Fernández und der Richter*innen der Sonderstaatsanwaltschaft für Ethnien und Kulturerbe geprägt. Am 10. Dezember 2015 wurde das Urteil verkündet. Saravia wurde wegen einfachen Mordes an Tomás Garcia verurteilt, im Falle des versuchten Mordes an Garcias Sohn Alan wurde er freigesprochen. Seine Verteidigung hat zudem angekündigt, die Aufhebung des Gerichtsurteils wegen guter Führung zu beantragen.
Die Klage gegen DESA wegen Landgrabbing und der Verletzung kollektiver indigener Rechte wurde schon vor Jahren eingereicht. In der Vergangenheit zeigte sich jedoch, dass jegliche Klagen, die von indigenen Bewegungen eingereicht wurden, vom honduranischen Justizsystem missachtet wurden. Tauli-Corpuz unterstreicht in ihrer Erklärung, dass „das Justizpersonal keine Kenntnisse über indigene Rechte besitzt“ und dass „Rassismus und Diskriminierung die Schaffung legaler Mechanismen notwendig machen, so dass die indigene Bevölkerung Klagen über territoriale Verletzungen und Menschenrechtsverletzungen einbringen können“. 

Der Konflikt in Rio Blanco hat eine extreme Militarisierung entlegener Regionen geführt und ist begleitet von einer Kriminalisierung und Diffamierung sozialer Bewegungen. Besonders betroffen sind die Umweltaktivist*innen und Menschenrechtsverteidiger*innen von COPINH. „Lokale Auftragsmörder haben im Oktober 2015 eine Liste mit Namen von mehr als 20 Staudammgegner*innen mit der Drohung veröffentlicht, dass sie die ersten wären, die sterben würden“, so ein Mitarbeiter von COPINH.  

Bereits 2013 waren die Mitglieder COPINHs einer Welle von Kriminalisierung und Repression ausgesetzt. Neben willkürlichen Durchsuchungen und massiven Bedrohungen der indigenen Gemeinden wurden drei Koordinator*innen von COPINH auch strafrechtlich verfolgt. Die Verfahren wurden jedoch eingestellt bzw. mit einem Freispruch beendet. Schon damals wurden die Gerichtsprozesse durch Diffamierungen in den Medien begleitet. Diesmal rief Kardinal Oscar Andrés Rodríguez, Befürworter des militär-zivilen Putsches 2009, die indigenen Gläubigen auf, sich weder in COPINH zu organisieren noch deren Radios La Voz Lenca und andere regierungskritische Sender zu hören.
Doch trotz Repression, extremer Gewalt und absoluter Straflosigkeit bleibt der friedliche Widerstand gegen Agua Zarca ungebrochen. Erfolge ihrer Proteste sind in dem Rückzug des chinesischen Unternehmens Sinohydro sowie des zentralamerikanischen Entwicklungsfonds CAMIF aus dem Projekt zu sehen. DESA läuft die Zeit davon, denn das Wasserkraftwerk sollte schon im Jahr 2014 fertig gestellt sein.

Es liegt auf der Hand, dass die Menschenrechtsverletzungen in diesem Konflikt nicht ausschließlich auf dem dysfunktionalen Staat Honduras mit seinen schwachen und abhängigen Institutionen zurück zu führen ist. An der Fertigstellung von Agua Zarca haben auch internationale Player großes Interesse. So finanzieren u.a. die finnische Entwicklungsbank Finnfund als auch die niederländische Entwicklungsbank FMO das Projekt. Von deutscher Seite ist die Voith Hydro Holding GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen von Siemens und Voith, beteiligt, und ist für die Lieferung der drei Turbinen verantwortlich. 

Für die Lenca geht es um viel mehr als ein unrechtmäßig angeeignetes Land. Der Fluss Gualcarque ist Existenzgrundlage der indigenen Gemeinden und bildet das Fundament ihrer kulturellen Identität. Indigene Rechte stehen der Gewinnmaximierung der Unternehmen und dem Wirtschaftswachstumswunsch des Staates entgegen. Es bleibt abzuwarten, inwiefern der UN-Menschenrechtsrat mit all seinen Sonderberichterstatter*innen, die das Land noch besuchen werden, den allgegenwärtigen Wirtschaftsinteressen Einhalt gebieten kann.